Montag, 30. März 2015

Reisebericht: Jeddah III


Ich war in Saudi Arabien und habe dort einen Urban Knitting-Kurs gegeben. Den ersten und zweiten Teil meines Reiseberichts könnt ihr nachlesen. Bilder von den Kursergebnissen gibt es bei Tumblr.

Vor dem letzten Tag fürchtete ich mich ein bisschen. Ich habe ja schon im letzten Teil des Reiseberichts erzählt, dass an diesem Tag Vorträge und eine Podiumsdiskussion stattfanden, um die Ergebnisse des Symposiums zu zeigen. Das fand im Auditorium der Uni statt, das ziemlich groß ist, wie ihr auf dem Bild oben sehen könnt. Da hab ich doch ein bisschen geschluckt, als da ein paar hundert Leute drin saßen. 

Meine Befürchtung, dass das Publikum (also die Studentinnen und vor allem die anderen Gastlehrer*innen) mein Thema völlig unterschätzt hatten, stellte sich als richtig heraus. Etwa 15 Minuten lang zeigte ich Bilder unterschiedlicher Urban Knitting Projekte von überall auf der Welt. Ich erklärte, wie Urban Knitting Street Art und traditionelle Handarbeit verbindet, was in meinen Augen den Reiz ausmacht und was beachtet werden muss. Am Ende waren alle total begeistert, für die gezeigte Arbeit der Studentinnen gab es Zwischenapplaus und das Feedback danach war überwältigend gut. Mehrmals hörte ich, dass mein Vortrag der beste des Tages gewesen sei *blush* Die anderen Gastlehrer*innen gestanden mir, wie sehr sie befürchtet hatten, ich würde irgendwas Lahmes erzählen und dann kam der sehr aufgeregte ägyptische Künstler nach meinem Vortrag zu mir: "You did it! You really did it!"


Für große Erheiterung während der Design Week sorgten immer wieder die in der Uni anwesenden Männer. Auf der einen Seite war es für die Professorinnen und Studentinnen lästig, nun in Teilen der Uni ihre Abaya tragen und sich verschleiern zu müssen. Auf der anderen Seite hatten wir nicht-muslimischen Frauen immer mal wieder was zu lachen, wenn wir das „Männer-Warnschild“ im Aufzug fotografierten oder uns in einer Ecke verstecken mussten, weil wir unverschleiert waren und ein Mann den Gang entlang kam.
Als nicht-muslimische Frau nach Saudi Arabien zu kommen, ist auf jeden Fall ungewöhnlich. Allein die logistische Herausforderung, jedes Mal einen Fahrer zu haben, wenn eine irgendwohin fahren muss, weil Frauen nicht selbst Auto fahren dürfen und ÖPNV quasi nicht vorhanden ist. Im Hotel war ich die meiste Zeit morgens die einzige Frau beim Frühstück und vor allem die einzige Frau, die alleine dort war. Aber auch meine Erfahrung am Flughafen, als ich einen Mann ansprechen musste, weil ich Hilfe brauchte und sonst niemand zur Verfügung stand, werde ich nicht vergessen: Er wurde meinetwegen aus heiterem Himmel nach seinem Visum gefragt... Er war sehr sympathisch und fand es lustig, dass wir nun angestarrt wurden, weil wir öffentlich miteinander sprachen, obwohl ich offensichtlich weder seine Schwester noch seine Frau war.

Die ganze Zeit wurde ich aber rundum gut betreut und wurde sehr gastfreundlich von allen aufgenommen. Die Lehrstuhlinhaberin meinte sogar, ich sei schon "part of the family" und mailte mir, dass ich schon vermisst würde, als ich wieder zuhause war. Ich habe sehr schöne Gastgeschenke bekommen: Eine saudische Kaffeetasse, gefüllte Datteln, eine Gebetskette und eine Fulla. Leider war ich nur vier Tage in Jeddah, sodass ich wieder abreisen musste, als ich mich gerade akklimatisiert hatte. Eines Tages würde ich gerne wiederkommen. Inshallah.

Donnerstag, 26. März 2015

Reisebericht: Jeddah II


Ich war in Saudi Arabien und habe dort einen Urban Knitting-Kurs gegeben. Den ersten Teil meines Reiseberichts könnt ihr nachlesen - es wird noch ein dritter folgen. Bilder von den Kursergebnissen gibt es bei Tumblr.

Hättet ihr gedacht, dass es saudische Frauen mit Kopftuch gibt, die blaue oder (am nächsten Tag) lila Haare haben? Ich musste immer ein bisschen grinsen, wenn ich an Leute in Deutschland denken, die sich schon für viel weniger sehr subversiv und alternativ vorkommen. Die Studentin erzählte mir von den Kämpfen mit ihrer Mutter wegen ihrer Haare und dass viele sie doof finden, weil sie sich nicht um die Meinung anderer schert.
Eine andere Studentin, die die mit Abstand kleinste, aber auch lauteste und eine der ehrgeizigsten war, überraschte uns alle mit ihrer spontanen Rap-Einlage. Die hat echt was drauf! und außerdem hatten die Studentinnen den Soundtrack von diesem grausigen 50 Shades-Film auf ihren Handys. Das fand ich ziemlich ungewöhnlich. 

Auf der Straße tragen alle Frauen Abaya und sind teils verschleiert, unter sich wird das alles erst mal abgelegt und ich hatte das Gefühl, dass so an der DAH eine besondere Intimität entstand.
Insgesamt war der Umgang der Studentinnen und Professorinnen untereinander sehr herzlich. Die Professorinnen sprachen sich viel mit „my dear“ und „sweetheart“ an und wir erzählten uns recht schnell private Dinge – eine Arbeitsatmosphäre, die ich mir so in Deutschland nicht vorstellen kann. Die Studentinnen betonten auch immer wieder, wie sehr sie ihre Lehrerinnen lieben.
Bei mir hat sich sehr schnell so ein Gefühl eingestellt, dass das nun "my girls" sind. Ich war zwischendurch immer mal wieder sehr berührt und musste ein paar Tränchen verstecken. Die Mädels waren so bad ass!

Am letzten Tag wurden Vorträge gehalten und es gab auch eine Podiumsdiskussion, bei der es nur männliche Gäste gab (eine Frau moderierte, eine andere übersetzte). Es ging unter anderem um eine Debatte zwischen Thierry Mauger und saudischen Architekten/Künstler, die nicht glauben wollten, dass die bunten Häuser in der Region Asir von den dort lebenden Frauen bemalt wurden. Mauger sagte dann auf dem Podium, dass er stolz auf die Frauen sei, dass andere ihnen die Bemalungen nicht zutrauten - das spreche ja nur für deren Schönheit. Die Studentinnen im Hörsaal sind ausgeflippt! Die haben spontan geklatscht und gejubelt und als seine Aussage übersetzt wurde, gleich nochmal. Ich saß bei den Professorinnen und die drehten sich ganz überrascht und angetan um. Im Nachhinein hörte ich, dass die Studentinnen sich bei ihren Professorinnen beschwerten, dass solche Männer auf ihren Campus eingeladen worden seien. Sie wollten Mauger gerne eine E-Mail schreiben und sich dafür entschuldigen, dass die saudischen Männer so schlecht mit ihm umgegangen seien. Das ist den jungen Frauen richtig an die Ehre gegangen, dass wenn schon Männer auf ihrem Campus sind, die sich nicht ordentlich genug gegenüber Gästen benehmen können. Ich bin immer noch schwer begeistert und gerührt, wenn ich daran denke.

Für mich war das Spannendste an der Reise auf jeden Fall, mit so vielen beeindruckenden Frauen sprechen und von ihren Leben erfahren zu können. Zum Glück bringt das Stricken es mit sich, dass nebenher geredet werden kann. Ich mochte es, dass wir alle gegenseitig sehr neugierig waren, wie die jeweils andere so lebt und dass wir so viele Gemeinsamkeiten entdeckten – etwas, das weniger mich als vermutlich vielmehr die Menschen in meinem Umfeld überraschte. Mit einer der Professorinnen habe ich zurück in Deutschland gleich Mails geschrieben, eine Studentin schrieb mich via Facebook an. Meine Co-Lehrerin hat mir am letzten Tag ein wunderbares Abschiedsgeschenk überreicht und mich eingeladen, sie mal in Indien zu besuchen.

Dienstag, 24. März 2015

Reisebericht: Jeddah I


Einige von euch haben es ja bereits mitbekommen: Anfang März war ich im Auftrag desGoethe-Instituts für vier Tage in Jeddah, Saudi Arabien. ich war eingeladen, um im Rahmen des Design Symposiums der Dar Al-Hekma Frauenuniversität einen Workshop und einen Vortrag über Urban Knitting zu halten.

Ich kann gar nicht genau beschreiben, mit welchen Erwartungen in nach Jeddah geflogen bin. Ich war vor allem aufgeregt, weil ich zum ersten Mal einen Workshop und einen Vortrag auf Englisch halten sollte und die letzten Tage vor der Reise war so viel zu organisieren, dass ich kaum Zeit hatte, mir Gedanken zu machen, was mich eigentlich erwarten würde. In meinem Umfeld machten sich stellenweise Menschen um mich gesorgt, weil sie Nachrichten gesehen haben und ansonsten nicht sehr viel Erfreuliches über Saudi Arabien wissen. Einige fand das wohl gerade als Feministin komisch, dass ich nach Saudi Arabien fliege - was ich absolut nicht verstehen kann. Das Leben der Frauen dort ist sicherlich anders als bei uns, aber das wollte ich mir lieber selbst angucken, als irgendwelche Urteile von Europa aus zu fällen, das ist nicht so meine Art.


Der erste Workshoptag war sehr aufregend – ich hatte wenig geschlafen, sah zum ersten Mal ein bisschen was von Jeddah bei Tag und traf direkt auf sehr viele unbekannte Menschen. Im Professorinnenkollegium wurde ich sehr nett aufgenommen. Ich war mindestens die erste Stunde im Workshop sehr aufgeregt und ein bisschen unkoordiniert, aber auch Dank der Hilfe meiner lieben indischen Co-Lehrerin klappte letztlich alles. Die Studentinnen waren unterschiedlich stark motiviert und hatten die gleichen Vorurteile gegenüber dem Stricken wie Leute in Deutschland. 
Einige Studentinnen hatten von Anfang an keine Lust auf den Kurs und wollten eigentlich am liebsten immer früher nach hause gehen, aber der Großteil des Kurses zeigte große Lernbereitschaft. Besonders gefreut hat mich, dass sich bei einigen die Einstellung zu meinem Workshop um 180 Grad gedreht hat und sie am letzten Tag begeistert waren. Eine Schülerin kämpfte besonders hart, schaffte es auch am letzten Tag nicht, zwei Reihe ohne meine Hilfe zu stricken und hatte auf keine große Freude am Kurs – trotzdem schloss sie zwei kleinere Stücke ab und sagte mir am zweiten Tag: „Okay, now I’m proud!“ Sie hat sich durchgebissen. 


Der Workshop dauerte drei Tage jeweils sieben Stunden – mir war schon vorher klar, dass weder die Studentinnen noch ich das ohne Ermüdungserscheinungen durchstehen würden. Ich schlief nachts kaum, obwohl die Zeitverschiebung nur zwei Stunden betrug. Tagsüber war es draussen viel zu heiß für mich und drinnen viel zu stark runtergekühlt. Ich bekam also eine kleine Erkältung und konnte wegen meiner Hitzempfindlichkeit auch leider nicht an der Altstadtführung teilnehmen. Stattdessen konnte ich aber hinter meinem Hotel mal aufs Rote Meehr gucken.

Das Lerntempo beim Stricken ist erfahrungsgemäß immer sehr unterschiedlich und es war stellenweise eine Herausforderung, alle mitzunehmen und nicht die eine Gruppe zu langweilen, während ich für die andere Gruppe zum zwanzigsten Mal die Basics erklärte. Letztlich denke ich aber, dass das gelungen ist und alle was gelernt haben.
Am letzten Tag nähten wir alle Strickstücke zusammen und dekorierten einen Stuhl mit unserer Arbeit. Hier zeigte sich, wie sehr das Workshopergebnis von Teamwork abhing, denn am Ende war jedes noch so kleine Strickstück für das Endergebnis wichtig. Letztlich haben die Studentinnen sich sehr über ihre Lernfortschritte gefreut und mich sehr stolz gemacht.

Mehr Bilder von den Kursergebnissen gibt es bei Tumblr. Übermorgen erzähle ich euch mehr von meinen Eindrücken fernab des Kurses.

Donnerstag, 12. März 2015

#12von12 März 2015

Einige Zeit lang habe ich die Aktion #12von12 nur mitgelesen und obwohl ich anfangs skeptisch war, selbst mitzumachen (weil die meisten Teilnehmenden Eltern sind, das ändert sich aber grade), bin ich jetzt dabei: Am 12. des Monats werden ganz viele Fotos gemacht und abends jeweils die 12 Bilder des Tages gezeigt. Eine Linkliste der Teilnehmenden gibt es bei Draußen nur Kännchen.


1. Biokiste
Heute morgen kam meine Biokiste an. Seit einiger Zeit bekomme ich die ab und zu - als Geschenk von lieben Freund*innen. Heute kam der Lieferant aber gut eine Stunde früher als sonst und weckte mich und den Übernachtungsgast zeitiger als geplant.


2. Bürger*innenamt
Ich musste heute meinen Berlinpass verlängern und als ich am Amt ankam, reichte die Schlange bis auf die Straße. Das ist ganz normal so, auch wenn du kommst, lange bevor die öffnen - totaler Scheiß. Es nieselte und ich konnte deswegen nicht mal mein extra mitgebrachtes Buch lesen. Die Kapuze meiner Jacke hatte ich am Sonntag auch abgemacht und vergessen wieder dran zu machen. Blöd.


3. Einkauf
Ich wollte eigentlich nur Kokosmilch und ein paar Kleinigkeiten kaufen und bin auf dem Rückweg vom Amt schnell in meinen liebsten arabischen Supermarkt gesprungen. Dummerweise hatte ich kein Bargeld und ich konnte erst ab 10€ mit Karte zahlen - also musste ich noch eine Runde durch den Laden drehen und mehr Zeug mitnehmen. (Ja, ich kaufte wirklich Ingwer, Gingerbeer und Tee mit Ingwer.)


4. Pause
Zuhause wollte ich mich mit dem Gingerbeer frisch ans Tagwerk machen, aber mein Rechner musste natürlich erst irgendwas updaten. Also hab ich vom Tablet aus schnell meinem Papa auf seine Mail geantwortet und ein bisschen Pause gemacht.


5. Liebesbrief
Dann kam die Post und zu meiner großen Freude habe ich einen sehr süßen Brief von meiner Freundin Maria bekommen. Maria ist sechs und letzten Sommer eingeschult worden. Sie wohnt in NRW und weil wir uns seit meinem Umzug nach Berlin nicht mehr gesehen haben, freut sie sich sehr, dass ich im Mai auf die Hochzeit ihrer Mutter komme.


6. Jobzeug
Den Nachmittag über machte ich mich zu Bewerbungsgesprächen schlau und klickte mich durch diverse Seiten.

7. Zwischenmahlzeit
Zwischendurch stürzte ich mich auf die ersten Teile meiner Biokiste und machte mir einen Salat. Dazu briet ich mir den Haloumi an, den ich mittags zwangsweise eingekauft hatte. Ich glaube, ich vertrag Milchprodukte nicht mehr so gut. Ich lebe fast vegan (nur auf Eis kann ich nicht verzichten und hin und wieder Frischkäse, weil der einfach so billig ist) und vermutlich kommt das daher.


8. Tränen
Via Twitter erfuhr ich, dass heute Terry Pratchett verstorben ist. Ein Autor, der mir so viel bedeutet und den ich lese, seitdem ich 11 bin und mir Kinderbücher zu langweilig wurde. Ich hab direkt Papa angerufen, um ihm die schlechte Nachricht zu überbringen und natürlich dauerte das Telefonat viel länger als geplant. Wir telefonieren beide nicht gerne und dann endet das trotzdem jedes Mal so...
Später überbrachte eine der liebsten Freundinnen noch eine tolle Nachricht und ich heulte gleich nochmal.


9. Hörbuch
Zum Spülen und Kochen hörte ich "Die Nachtwächter" von Terry Pratchett auf dem Handy. Das wird vom Synchronsprecher von Robin Williams gelesen, was mir vorher nicht klar war. In doppelter Hinsicht eine Botschaft aus dem Jenseits...


10. Essen
Gekocht habe ich mir ein buntes Gemüsecurry mit Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer, Kichererbsen, Kartoffel, Möhren, Rübchen, Spitzkohl und Kokosmilch. Dazu gab es Mangochutney.


11. Ausklang
Nach dem Essen habe ich "The Color of Magic" eingelegt, eine Verfilmung zweier Pratchett-Romane (auf meinem Nachttisch liegt aktuell auch ein Buch von ihm). Dazu trinke ich süßen Chai mit Schmilch und klicke ein Handyspiel. Um ein neues Strickprojekt zu starten bin ich aktuell zu müde.


12. Couchselfie
Mir gehen die Bilder aus - heute war kein besonders gut zu illustrierender Tag, weil ich die halbe Zeit am PC gesessen habe, Notizen machte und Mails beantwortete. Trotzdem hat's Spaß gemacht und ich bin wohl nächsten Monat wieder dabei.


Dienstag, 10. Februar 2015

Hedgerow Socks


Die Hedgerow Socks sind ein Weihnachtsprojekt, das ich mit ins neue Jahr nehmen musste. Ich habe sie für meine Cousine gestrickt und leider zu Weihnachten erst den ersten Socken fertig gehabt. Dann kam es zu noch mehr Verzögerungen und nun erreichte sie letzten Monat endlich ein kleines Päckchen.

Das Muster ist kostenlos und auch technisch gesehen sehr einfach. Ich dachte, ich hätte mir was ausgesucht, was relaiv mindless ist, dem war aber nicht so. Bei gemustertem Garn ist nicht immer gut zu erkennen, ob das jetzt erst eine oder doch schon zwei Musterreihen einer Art hintereinander waren und deswegen musste ich einige Teile neu stricken. Mit Reihenzählarmband ging es dann auch wirklich flott und problemlos.

Sonntag, 25. Januar 2015

2 Jahre #aufschrei


Vor zwei Jahren in der Nacht vom 24. auf den 25. Januar ist der #aufschrei entstanden. Viele, die dabei waren, wird das vermutlich auch heute noch emotional aufrütteln. Mich, die ich eine der Initiatorinnen bin, berührt dieser Tag. Als mir in der letzten Woche bewusst wurde, dass der Jahrestag näher rückt, bin ich ein bisschen still geworden. Ich wollte etwas machen, um den #aufschrei und das Thema an sich fernab von Vorträgen, Workshops und dem Internet noch mal für mich zu erfassen. Irgendwie wollte ich "das Ding" wieder in die eigenen Hände nehmen.
Und dann ist mir was eingefallen, was mir schon viel früher hätte einfallen sollen: #aufschrei als Urban Knitting-Tag. Die beste Möglichkeit, wie ich selbst mit ganz kleinen Mitteln den Hashtag auf die Straße bringen kann.

Ich mag Urban Knitting gerade weil es Handarbeit, die erher ruhig und unaufgeregt zuhause stattfindet, zusammenführt mit Street Art, die als cool gilt, sehr männlich geprägt ist und eben draussen stattfindet. Wollgraffitis sind weich, still und friedlich in ihrer Form - was in diesem Fall total gegensätzlich ist zum Inhalt: sexualisierte Gewalt.
Ein stiller Aufschrei für diejenigen, die nicht (mehr) schreien können oder wollen, die (noch) nicht sprechen können.


Das Graffiti hängt an einer vielbefahrenen Straße in Berlin-Neukölln, direkt an einer Fußgänger*innenampel und einer Bushaltestelle. Noch bevor ich es fertig angebracht hatte, sprach eine Frau mich an: "Das ist aber interessant, was Sie da machen!" Das passiert eigentlich immer, wenn ich yarnbombe. Wie immer redeten wir über Urban Knitting, warum ich das mache und dass es gar nicht soooo schrecklich viel Arbeit ist. Aber wir redeten auch noch über was anderes: Die Frau kannte den Hashtag nicht, aber ich erzählte ihr davon und sie erzählte mir dafür ihre aufschrei-Geschichte.

Ich habe mit einer fremden Frau mitten in Berlin über unsere Erfahrungen mit Sexismus und Gewalt gesprochen. Einfach so. Ausgelöst durch ein kleines Garngraffiti, das mich einen Abend Zeit gekostet hat. Genau das ist, was in der #aufschrei-Nacht passierte.

Mittwoch, 7. Januar 2015

Ringelsocken


Frohes neues Jahr alle zusammen! Ich habe die letzten Wochen sehr emsig gestrickt, aber nur ganz wenig hier gezeigt, denn es stand ja Weihnachten vor der Tür. Schon im November hatte ich Socken für meinen Papa gestrickt. Bei Socken für Erwachsenen bin ich gerne mal ein bisschen lahm und wollte mir deswegen genug Vorlauf geben.
Das Sockengarn habe ich beim Berliner WollWechsel erbeutet. Ich hatte selbst nichts zum Tauschen mitgebracht, weil zu dem Zeitpunkt noch all meine Garn- und Faservorräte eingelagert waren, aber bekam Märkchen geschenkt. Die Spinnfasern, die ich ertauschte, sind auch mein aktuelles Spinnprojekt, aber darüber schreibe ich, wenn ich fertig bin.


Einen Teil des Garnrests habe ich zu Babysocken verstrickt und kurz vor Weihnachten den Eltern des frisch geborenen Babys übergeben. Babysocken haben mir das Sockenstricken überhaupt erst richtig schmackhaft gemacht, weil sie so schön schnell gehen, ein beliebtes Geschenk sind und vor allem gut dazu taugen, die Sockenskills zu üben. Zwei Paar Babysöckchen bedeutetn viermal Ferse üben in kurzer Zeit hintereinander.

Montag, 8. Dezember 2014

Be Brave!


Einer meiner Lieblingsfilme von Pixar ist Merida (im Original: Barve). Irgendwann nachdem ich ihn das erste Mal gesehen hatte, habe ich Merino, Alpaka, Bluefaced Leicester und Angelina kardiert, um ein Garn zum Film zu spinnen. Tatsächlich bin ich dann mit den kardierten Rolags umgezogen. Ich hatte ein bisschen Angst, dass meine Spinnfasern Opfer von Motten werden könnten, aber ich hatte Glück und bloß Mottenbefall in einer Backmischung, die aber eingetuppert war und so blieben die restlichen Lebensmittel verschont. Kleidermotten sind eh andere Viecher, sodass da keine Ansteckungsgefahr bestand.



Jedenfalls habe ich die Fasern letzte Woche dann mal versponnen, nachdem ich kurz vorher den Film noch mal gesehen habe. Eingesponnen habe ich Streifen von "Schott*innenröcken". Die Stoffstreifen habe ich irgendwann mal aus einem Tauschpaket behalten. Ich bin recht zufrieden mit dem Ergebnis. Ich hab wirklich lange nichts mehr gesponnen und bin sehr langsam geworden. Ich hab auch immer noch nicht die perfekte Technik, um Stoffstreifen im Garn zu fixieren, obwohl ich sehr oft solche Art Yarns spinne. Durchs Verstricken kann später natürlich nichts merh verrutschen, deswegen ist das an sich nicht tragisch.

Sonntag, 30. November 2014

Advent Advent


Als ich vor ein paar Wochen hier einen Neustart gewagt habe, habe ich ja auch ganz kurz angerissen, was die letzten Monate so los war. Mein Anspruch, hier wieder zu schreiben, sollte auch Antrieb sein, überhaupt was zu tun, was ich hier zeigen und beschreiben kann. Meine Hobbys sind irgendwie so im Nirvana des Alltags unter gegangen. Ich war und bin sehr viel getrieben von dem, was "jetzt" und "unbedingt" noch gemacht werden muss. Auch (und mein Leben lang schon immer) verbunden mit der Frage, wie ich eigentlich über den Monat komme. Ich kann mir schlecht Auszeiten nehmen - nicht nur weil ich kein Geld oder keine Zeit habe, auch weil ich sie mir nicht gönne. Wenn ich Phasen habe, in denen es mir nicht gut geht, schaffe ich es schon nicht, mir Essen zu kochen, weil ich denke, dass ich das jetzt eigentlich auch gar nicht verdient habe und dass das ja das grade aktuelle Problem auch nicht löst.

Grade vor ca. einem Jahr gab es in meiner feministisch-aktivistischen Bubble viele Diskussionen zum Thema Selfcare (ich verlinke mal bloß Distels Text, den ich persönlich am ansprechendsten fand und der auch auf viele weitere Texte zum Thema verlinkt). 


Für die Adventszeit habe ich mir ein bisschen was vorgenommen: Ich habe gestern meinen letzten Workshop für dieses Jahr gehalten und damit jetzt erstmal weniger Terminstress. Es bleibt Zeit, endlich mal wieder Bewerbungen für einen Brotjob zu schreiben, der mir ermöglichen würde, mich selbst zu ernähren. Weihnachtsgeschenke wollen gebastelt werden, hier und da sind noch Verschönerungen an der neuen Wohnung nötig und das ein oder andere Fachbuch in Vorbereitung auf anstehende Projekte wollte ich auch lesen. Und zack, ist der Monat wieder voll.
Ich will die Zeit nutzen, mich zu sortieren und für die nächsten Monate zu rüsten, auch ein bisschen zu gucken, wohin es denn gehen soll. Eins ist dabei klar: Ich muss netter zu mir werden und ich muss dazu gezwungen werden. Also habe ich mir einen Adventskalender gebastelt: Mühsam habe ich mir 24 Dinge überlegt, die ich in meiner Freizeit gerne tue, die ich mal wieder tun könnte und die mich entspannen - besonders, wenn ich mal wieder in ein emotionales Loch falle: ein Buch lesen, ein Garn spinnen, Kakao trinken, meine Cousine anrufen, spazieren gehen. Alle Punkte habe ich auf Zettel geschrieben, in eine Weihnachtsdose gepackt und jeden Tag werde ich einen Zettel ziehen und tun müssen, was drauf steht. Für den ersten Tag (also morgen) habe ich mir was überlegt, was ich ewig nicht gemacht habe, weil es mich Geld kostet: in die Sauna gehen. Morgen ist passenderweise in einem laut Internet sehr schönen Bad in meiner Nähe "Damensauna" (doofes Wort).

An der #100happydays Challenge bin ich schon nach zwei Tagen gescheitert, habe aber beschlossen, das nicht schlimm zu finden, da ich ja wusste, dass ich für den Dezember schon ein Projekt geplant habe, das für mich hoffentlich besser passt. Wollen wir also hoffen, dass ich durchhalte.

Habt eine schöne Adventszeit!

Donnerstag, 20. November 2014

Blümchen-Schal

Ich Schlaukopf hab gerade erst gesehen, dass es zu meinen letzten beiden Postings Kommentare gibt - ich habe die Kommentare letzte Woche auf moderiert gestellt, weil ich mittlerweile gerne das Opfer von Hatern werde, aber ich habe nicht eingestellt, dass ich auch Mail-Benachrichtigungen bekomme m) Jetzt ist aber alles richtig und ich merke auch, wenn sich hier was tut. Sorry an die, die auf Freischaltung gewartet haben.


Wie versprochen zeige ich euch heute einen Cowl, den ich... äh... vor fast einem Jahr gestrickt habe. Das Garn habe ich auf der Tour de Fleece 2012 gesponnen, es ist eine Mischung aus Merino, Leinen und Angelina mit eingesponnenen Blüten.
Da das Garn doch eher auffällig ist, habe ich drauf verzichtet, ein kleinteiliges Muster zu stricken, da werden sich sonst Garn und Muster gegenseitig nicht gerecht. Ich mag den Schal jedenfalls sehr gerne, denn ich habe eine kleine Schwäche für die Kombination aus weiß und Blautönen.
Beim Blick in Ravelry fällt mir wieder auf, wie unfassbar lieblos ich die letzten 1 1/2 Jahre meine Aufzeichnungen gemacht habe. Teils nämlich gar nicht.



Derzeit stricke ich an zwei Paar Socken herum: Das eine Paar reiste diese Woche mit mir nach Dresden, wo ich einen Vortrag gehalten habe, das zweite stricke ich immer, wenn ich im Bett liege und Orange is the New Black schaue. Jedenfalls werden beides Geschenke und deswegen kann ich die hier erstmal nicht vorzeigen - DIY-Bloggen in der Vorweihnachtszeit ist irgendwie ein Eiertanz.